Geburtstrauma – Frau sitzt weinend auf dem Sofa.

Geburtstrauma

Manchmal erleiden Mütter ein Geburtstrauma. Was das genau bedeutet und wie man am besten damit umgeht, lesen Sie hier.

Wie ist die Geburt verlaufen? Manchmal ist das Erlebnis so einschneidend, dass Mütter seelisch und körperlich ein Geburtstrauma erleiden. Dieses lässt sich am besten überwinden, wenn Sie es nicht bloss als Heultage abtun. Sprechen Sie über Ihr Geburtserlebnis mit Ihrem Partner oder anderen nahestehenden Personen. Auch das Gespräch mit anderen Müttern, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben wie Sie, kann helfen. Bitten Sie die Personen, die dabei waren, nochmals den genauen Ablauf der Geburt mit Ihnen durchzugehen. Durch die unter der Geburt ausgeschütteten Hormone haben Sie vielleicht alles wie durch einen Schleier erlebt, oder Sie waren so verängstigt oder von Schmerzen geplagt, dass Sie sich an manches nur noch bruchstückhaft erinnern. Sie können auch den Geburtsbericht verlangen und gemeinsam mit dem Arzt, der Hebamme oder dem Partner besprechen. Das Schweizer Netzwerk Verarbeitung Geburt vermittelt Adressen von speziell ausgebildeten Personen, die Ihnen bei der Aufarbeitung eines Geburtstraumas helfen können.

Fehlt die Hilfe, überfordern sich die jungen Mütter oft. Sie geben dem Baby alles, was sie können, vernachlässigen dabei aber sich selber. Anerkennung von ihrem Umfeld bekommen sie oft keine – höchstens Schuldgefühle, weil das Neugeborene trotz ihrer Aufopferung weint. Doch die sind absolut fehl am Platz. Im Gegenteil: Jetzt ist Ihr gesunder Egoismus gefragt. Denn alles, was Ihnen guttut, nützt schliesslich auch dem Baby (und dem Partner).

Hier ein paar Tipps zur Entlastung im Alltag mit einem Neugeborenen:
  • Weinende Babys beruhigen sich im Tragetuch schnell. Studien haben gezeigt, dass getragene Säuglinge deutlich weniger weinen. So können Sie auch spazieren und einkaufen gehen sowie das Nötigste im Haushalt besorgen.

  • Wenn Sie nicht tragen können, leistet auch eine geprüfte Babyhängematte gute Dienste. Das Schaukeln erinnert Neugeborene an die Zeit im Mutterleib und wirkt beruhigend.

  • Eine für Kind und Eltern schöne Möglichkeit, sich besser kennenzulernen, ist die Babymassage.

  • Sie haben schneller ruhige Nächte, wenn Sie nachts bei oder nach dem Stillen oder Fläschchengeben mit Ihrem Baby nicht reden, es nicht unnötig herumtragen oder streicheln, kein Licht anzünden. Denn Neugeborene müssen erst lernen, wann Tag und wann Nacht ist. 

  • Man kann einem Schreibaby helfen, z. B. mit Craniosacraltherapie. Zögern Sie nicht und unternehmen Sie etwas, das die ganze Situation entspannen kann.

 Tipp für den Mann

Helfen Sie als Vater mit! Können Sie an gewissen Tagen frei machen? Sind Papa-Tage möglich? Haben Sie noch Ferien, die Sie beziehen könnten und die jetzt sinnvoller genutzt werden können als später? Haben Sie den Mut, mit dem Baby allein zu sein. Sie können das genauso gut wie Ihre Partnerin!
Bedenken Sie: Diese Tipps nützen am meisten, wenn es Ihnen als Mutter selbst gut geht. Babys sind wie kleine Seismografen, sie reagieren sehr schnell, wenn Sie sich nicht gut fühlen. Da hilft ein Sich-Zusammenreissen nichts. Setzen Sie sich auch nicht unter Druck, dass es Ihnen auf Kommando gut gehen muss. Wenn dies länger nicht der Fall ist, so ist es eben so. Es ist auch absolut keine Schande und kein persönliches Versagen, um Unterstützung zu bitten. Was jetzt hilft: Wenn eine andere Person, die sich gut fühlt, das Baby zu beruhigen versucht. Etwa Ihr Partner oder Ihre Mutter, Schwester, eine erfahrene Nachbarin oder Freundin. Nutzen Sie die so gewonnene Zeit und Ruhe für sich.

Überlebensstrategien

  • Rufen Sie die Hilfe ab, die Sie schon während der Schwangerschaft organisiert haben.
  • Überlegen Sie sich gut, wem Sie wann die Geburtsanzeige schicken. Vielleicht brauchen Sie in den ersten Tagen nach der Geburt Ruhe, um alles verarbeiten und sich an die neue Situation gewöhnen zu können.
  • Bitten Sie die Empfänger der Geburtsanzeige, sich telefonisch anzumelden und das Essen gleich mitzubringen. Sie müssen jetzt nicht als Gastgeberin brillieren, sondern sollen sich erholen können.
  • Sie dürfen das Telefon oder die Türklingel abschalten. Jetzt bestimmt das Baby Ihren Zeitplan, Sie brauchen genügend Ruhe.
  • Vergessen Sie die Idee, gleich sofort wieder einen perfekten Haushalt zu haben. Gehen Sie schlafen, wenn Ihr Baby schläft, machen Sie etwas, das Ihnen guttut. Die Nächte sind meist anstrengend genug, und beim Staubsaugen können Sie nicht auftanken.
  • Glauben Sie an Ihre Fähigkeiten als Mutter. Sie brauchen sich keine ungewollten Ratschläge anzuhören.
  • Seien Sie ehrlich und offen, wenn es Ihnen schlecht geht. Ihr Umfeld kann Ihnen nur helfen, wenn Sie zu Ihren Schwierigkeiten stehen. Falscher Stolz ist kontraproduktiv! Ihre Hebamme, die Mütterberaterin, die Gynäkologin, andere erfahrene Mütter oder der Elternnotruf kennen sich mit Anfangsschwierigkeiten aus und können helfen.
  • Geben Sie sich Zeit, Ihr Kind lieben zu lernen. Oft kommt die Mutterliebe nicht sofort, sie entwickelt sich erst mit dem Kennenlernen des kleinen Wesens. 
  • Haben Sie den Mut, Ihr Kind schon früh für kurze Zeit fremdbetreuen zu lassen. Eine ruhige, ausgeschlafene Nachbarin oder der Partner kommen besser klar mit dem Baby, als wenn Sie selbst es völlig übermüdet herumtragen. Nutzen Sie die so gewonnene Zeit, um etwas Schönes für sich selbst zu machen oder sich auszuruhen.
  • Wenn Sie dringend einen Tapetenwechsel und Erholung brauchen, machen Sie Ferien in einem auf Babys spezialisierten Kinderhotel. 
  • Ziehen Sie die Notbremse, bevor Sie (oder Ihr Partner) nicht mehr können.