Ein kleiner Junge isst Risotto.

Ein Teller voller Erinnerungen

Älplermagronen, Capuns oder Risotto: Wenn deftige Klassiker nach etwas mehr Leichtigkeit rufen, genügen oft kleine Anpassungen, um sie leichter und frischer zu machen. Haben Sie Lust auf neue Ideen für traditionelle Heimatgerichte?

Wina Fontana
5 Min. Lesedauer

   Kurz und einfach

Essen kann alte Erinnerungen wecken.
Manchmal sind diese Speisen sehr deftig.
Heute kocht man sie leichter oder mit mehr Gemüse.
So bleibt das Essen ein Stück Heimat.

Es duftet nach geschmolzenem Käse, gerösteten Zwiebeln und Apfelmus. Wer hat bei Älplermagronen nicht sofort ein Bild im Kopf? Essen kann erstaunlich viel. Es stillt nicht nur den Hunger, sondern weckt Erinnerungen, verbindet Generationen und erzählt Geschichten über Herkunft und Kultur. Und dennoch darf sich mit der Zeit auch etwas verändern. Unsere Essgewohnheiten zum Beispiel. Ob vegetarischer Speiseplan, Unverträglichkeiten oder der Wunsch nach leichterem Essen: Auf Heimatgerichte muss man deshalb nicht verzichten.

 

Älplermagronen etwas leichter

Älplermagronen gehören für viele zur Schweizer Wohlfühlküche. Die Mischung aus Hörnli, Kartoffeln, Käse und Rahm ist herzhaft – aber auch gehaltvoll. Mit kleinen Anpassungen bleibt der Charakter auch bei einer leichteren Variante erhalten: Ein Teil des Rahms lässt sich durch Milch ersetzen, und Lauch oder Rüebli bringen zusätzliche Frische. Auch Zwiebeln müssen nicht in viel Öl gebraten werden – im Ofen werden sie ebenso aromatisch. Die laktosefreie Variante gelingt auch mit pflanzlichen Milch- und Rahmalternativen. 

 

Älplermagronen auf einem Teller.
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Rheintaler Ribel – auch vegan ein Hit

Den Rheintaler Ribelmais, einen Klassiker der Liechtensteiner Küche, kann man problemlos vegan zubereiten. Seinen charakteristischen Geschmack erhält er durch den speziellen Ribelmais und die langsame Zubereitung. Mit pflanzlichen Milch- und Rahmalternativen sowie Bratcreme lässt sich eine leichtere Variante zaubern. Versuchen Sie es beim «Ribeln» doch einmal mit pflanzlicher Butter oder Rapsöl.

 

Papet Vaudois neu interpretiert 

In der Westschweiz gehört Papet Vaudois, ein Lauch-Kartoffel-Eintopf mit Saucisson, zu den Klassikern. Auch vegetarisch lässt sich das Gericht gut umsetzen: Statt der geräucherten Wurstware können Sie geräucherten Tofu oder eine pflanzliche Wurst für eine ähnliche Würze nutzen. Weisse Bohnen passen ebenfalls gut. Sie sättigen und liefern wertvolle Nahrungsfasern. 

 

Ein kleiner Junge isst Älpler Magronen mit seinem Vater.
 

Risotto mit mehr Gemüse

Im Tessin zeigt sich der Einfluss der italienischen Küche. Das grundsätzlich glutenfreie Risotto gehört hier fest zur kulinarischen Heimat. Ein Teil der Butter lässt sich problemlos durch Olivenöl ersetzen – das passt ohnehin gut zur Tessiner Küche. Pilze, Zucchetti oder Peperoni sorgen für Geschmack und Leichtigkeit.

 

Gemüse-Risotto auf einem Teller.

Capuns modernisiert

Capuns sind mit Spätzliteig gefüllte Mangoldblätter und ein Stück Bündner Tradition. Klassisch enthält die Füllung oft Fleisch und Rahm. Auch Capuns lassen sich gut modern interpretieren: Kräuter, Käse oder fein gehacktes Gemüse bringen neue Aromen auf den Teller. Linsen können einen Teil des Fleisches ersetzen und liefern zusätzlich pflanzliches Eiweiss und Nahrungsfasern. Für eine glutenfreie Variante lässt sich der Spätzliteig auch mit Buchweizen- oder Maismehl zubereiten. 

 

Tradition darf sich verändern

Jedes dieser Gerichte trägt ein Stück Heimat in sich. Doch die Veränderung gehört zur Kulinarik dazu. Auch Heimatküche darf wachsen und neue Ideen aufnehmen. Oder anders gesagt: Ein Gericht bleibt ein Stück Heimat – auch wenn heute vielleicht etwas mehr Gemüse und etwas weniger Rahm auf dem Teller liegt.

 

Heimat auf Umwegen – Wie internationale Gerichte Teil der Schweizer Küche wurden

Heimatküche entsteht nicht nur aus alten Rezeptbüchern. Oft wächst sie auch durch Begegnungen mit anderen Kulturen. Viele Gerichte, die heute ganz selbstverständlich auf Schweizer Tellern landen, haben ihren Ursprung eigentlich im Ausland.

Ein bekanntes Beispiel ist Riz Casimir. Das Gericht mit Poulet, Currysauce und Früchten entstand zwar erst in den 1950er-Jahren, wurde aber schnell zu einem Klassiker der Schweizer Küche. Die Mischung aus exotischen Gewürzen und vertrauten Zutaten traf genau den Geschmack der Zeit.

Auch andere internationale Gerichte haben längst ihren Platz im Alltag gefunden. Pizza, Pasta oder Kebab gehören heute für viele Menschen genauso selbstverständlich zum kulinarischen Alltag wie traditionelle Schweizer Gerichte. Oft werden sie dabei an lokale Vorlieben angepasst – mit regionalen Zutaten oder neuen Varianten.

Kulinarische Heimat entsteht also nicht nur durch Herkunft, sondern auch durch Gewohnheit. Was wir regelmässig essen, mit Familie oder Freunden teilen und mit Erinnerungen verbinden, wird mit der Zeit Teil unserer eigenen Esskultur. So zeigt sich auch hier: Küche ist immer in Bewegung. Sie nimmt Einflüsse auf, verändert sich – und bleibt trotzdem ein Stück Heimat.