Knabe liest Buch mit seiner Schwester im Hintergrund

Schlitteln mit Kindern:
Kluge Köpfe schützen sich

«Hurra, es schneit!» – Und jetzt nichts wie raus zum Schlitteln. Besonders beim Schlitteln mit Kindern steht Sicherheit an erster Stelle, denn das beliebte Freizeitvergnügen ist nicht ganz ungefährlich. In diesem Artikel erfahren Sie, worauf Sie achten sollten und wie Sie sich und Ihre Kinder vor Verletzungen schützen können.

Kluge Köpfe schützen sich! Das Mädchen trägt einen Schneesporthelm für mehr Sicherheit beim Schlitteln. Jährlich passieren in der Schweiz rund 7'000 Unfälle beim Schlitteln. Davon rund 60 % verursacht von Kinder und Jugendlichen bis 16 Jahre. Knapp die Hälfte der Schlittlerinnen und Schlittler tragen keinen Schneesporthelm, wodurch sich bei einem Sturz oder gar einer Kollision häufiger Kopfverletzungen ereignen oder der Schweregrad der Verletzungen höher ist als mit Helm.

Schlitteln: der unterschätzte Freizeitspass?

«Schlitteln ist ein unkomplizierter Wintersport, der vor allem eines machen soll: Spass. Umso unerfreulicher sind die rund 7'000 Unfälle pro Jahr durch Stürze und Zusammenstösse mit Steinen, Bäumen, anderen Personen oder Fahrzeugen», berichtet Benedikt Heer, Berater für Sport und Bewegung bei der BFU, Beratungsstelle für Unfallverhütung. Im Interview erklärt er, wo die Gefahren liegen und wie Sie diesen vorbeugen können.


Herr Heer, was sind die häufigsten Fehler beim Schlitteln?

Vielfach kennen die Schlittenfahrer und -fahrerinnen das richtige Verhalten nicht. Die Geschwindigkeit wird unter- und das Fahrkönnen überschätzt. Schädel und Hirnverletzungen, Knochenbrüche oder sonstige Verletzungen an Beinen, Füssen und Rumpf sind die Folge.

Schlitteln ist eine unkomplizierte Wintersportart: Wird die Gefahr des Freizeitspasses unterschätzt?

Das Risiko ist vergleichbar mit anderen Wintersportarten wie Skifahren oder Snowboarden. Generell sind Schlittler aber weniger gut auf die Aktivität vorbereitet, da es nicht als Sport, sondern als reine Freizeitaktivität wahrgenommen wird. Die Helmtragquote ist um einiges tiefer als beim Skifahren oder Snowboarden und auch weitere Schutzausrüstung wird seltener getragen. Zudem schlitteln Personen oft mit einem alten und starren Schlitten oder generell mit ungeeigneten Geräten, die nur schwer steuerbar sind.

Welche Personen sind besonders gefährdet?

Insbesondere Kinder bis circa 8 Jahre erkennen Gefahren erst, wenn es für eine Reaktion bereits zu spät ist.

Worauf sollten Eltern achten, die mit ihren Kindern schlitteln gehen?

  • Schlitteln Sie am richtigen Ort: Wählen Sie Hänge und Wege, bei denen Sie auf keine Hindernisse wie Mauern, Zäune, Fussgänger, Skifahrer oder Motorfahrzeuge treffen. Das Benützen von Schneesportpisten ist in der Regel verboten. Idealerweise schlitteln Sie auf speziell markierten Strassen und Wegen. Wählen Sie für kleine Kinder Hänge, die nicht steil sind, einen freien Auslauf haben und die Sie gut überblicken können.
  • Verwenden Sie das richtige Schlittelgerät: Ein Rodel eignet sich gut auf präparierten Schlittelwegen, ein Bob eignet sich im weichen Schnee auf Schlittelhängen.
  • Machen Sie sich mit der Lenk- und Bremstechnik ihres Schlittens vertraut. 
  • Rüsten Sie sich richtig aus: Schneesporthelm inkl. Schneebrille, warme Kleidung, feste Schuhe (inkl. Bremshilfen, wenn es hart und eisig ist).
  • Halten Sie sich an die 10 Verhaltensregeln.

Kluge Köpfe schützen sich: Worauf ist beim Kauf eines Schneesporthelms zu achten?

  • Probieren Sie den Helm an, damit er gut sitzt und auch mit Brille bequem zu tragen ist.
  • Testen Sie den Helm mit offenem Kinnband; Beim Hin- und Herschütteln des Kopfs darf der Helm nicht wackeln.
  • Wählen Sie einen Schneesporthelm mit der Bezeichnung EN 1077. Einen besseren Schutz bieten Schneesporthelme, die zusätzlich dem FIS-Sicherheitsstandard entsprechen. Schneesporthelme mit MIPS-Technologie reduzieren zudem zum Teil die Rotationskräfte. Mehr dazu im Ratgeber: Skihelm und Snowboardhelm – darauf ist beim Kauf zu achten

Vielen Dank für das Interview.

 

Die Schlittelpiste

Wählen Sie ein Gelände ohne Hindernisse wie Mauern oder Zäune. Meiden Sie Wege oder Strecken, die von Fussgängern, Skifahrern, Pistenfahrzeugen oder Autos frequentiert oder gekreuzt werden. Nutzen Sie am besten speziell gekennzeichnete Schlittelwege. Für kleine Kinder ist ein nicht zu steiler Hügel mit genügend frei auslaufender Fläche ideal.



Mehr Spass beim Schlitteln mit der richtigen Ausrüstung

  • Winterjacke, Schneehose und Handschuhe
  • Hohe und feste Schuhe, bei harten und eisigen Pisten zusätzlich Bremshilfe tragen
  • Schneesporthelm, um bei Stürzen Schädel- und Hirnverletzungen zu vermeiden
  • Skibrille
  • Schlittelgerät im einwandfreien, gewarteten Zustand
  • Schlitten oder Rodel? Unterschiede und Vorteile findet ihr hier, Tipps zur Rodeltechnik hier.

 

Schlitteln mit Kleinkindern

  • Ein Rodel ist besser steuer- und bremsbar als ein starrer Holzschlitten.
  • Kinder bis etwa 8 Jahre nicht unbeaufsichtigt schlitteln lassen.
  • Kinder sitzen vorne oder nahe beim Erwachsenen.
  • Höchstens zu zweit auf einen Schlitten oder Rodel sitzen.
  • Als Erwachsener sollten Sie mit dem Bremsen und Lenken des Schlittens vertraut sein.

Ob mit oder ohne Kinder unterwegs: Trinken Sie keinen Alkohol vor und während des Schlittelns und nehmen Sie keine Hunde mit auf Schlittelwege.

 

Conci Schlittel-Tour 2020

Ab Januar 2020 ist die Conci-Schlittel-Tour in den Schweizer Schlittelgebieten zu Gast. Mit der Botschaft «Kluge Köpfe schützen sich – auch beim Schlitteln» setzen sich die CONCORDIA und die BFU, Beratungsstelle für Unfallverhütung, gemeinsam mit Schweiz Tourismus für sicheres Schlitteln ein.

Wo und wann? Wir sind in der deutsch- und französischsprachigen Schweiz sowie im Tessin unterwegs. Besuchen Sie uns. Im Rahmen unseres Familien-Engagements können Sie beim Spiel vor Ort coole Preise und ein tolles Familienwochenende in La Gruyère gewinnen.

 

Impressionen der Conci Schlittel-Tour 2019