Ein Junge mit goldener Krone lächelt.

Embodiment: Die Kraft
der inneren Bilder

Mit Fantasie ungeliebte Verhaltensmuster ändern? Genau das macht die sogenannte Embodiment-Methode. Sie aktiviert die Kraft innerer Bilder, um Wandel nicht nur zu denken, sondern körperlich zu erleben.

   Kurz und einfach

Dank Fantasie kann man sich viel vorstellen.
Mit ihr können wir sogar sicherer werden.
Es gibt eigene Übungen dafür.
Die Übungen heissen Embodiment.
Man verändert dabei mit dem Körper die Gefühle.

König Leopold sitzt mit stolzgeschwellter Brust am Tisch und lässt seinen Blick majestätisch über die Untertanen gleiten. Mit feierlicher Stimme ordnet er den Tagesplan an. Alle nicken – und grinsen. Denn Leo ist kein Herrscher. Er ist vier Jahre alt, hat soeben die Plastikfigur aus seinem Stück Dreikönigskuchen gefischt und trägt nun eine goldene Papierkrone. Normalerweise ist er still und folgt den anderen. Heute aber regiert er mit Fantasie – und genau das macht ihn zum König.

 

Fantasieren: Vorstellen und kombinieren

Psychologisch gesehen gehören zur Fantasie zwei Komponenten:

  • die visuelle Vorstellungskraft, also die Bilder im Kopf,
  • die Kreativität und die Fähigkeit, Dinge und Ideen neu zu kombinieren.

Beim Fantasieren werden im Gedächtnis verschiedene Netzwerke aktiviert, in denen jeweils mehrere Informationen gespeichert sind. Alle Informationen aus einem Netzwerk stammen aus einem oder aus mehreren ähnlichen Erlebnissen. Wenn wir etwas erleben, speichert unser Gehirn die dazugehörigen Bilder, Geräusche, Gerüche, Körperempfindungen, Gedanken und Gefühle gemeinsam in einem Netzwerk ab. Was gemeinsam auftritt, wird im Gehirn vernetzt gespeichert.

 

Aktivierte Netzwerke im Körper: Mit allen Sinnen erleben

Beim Erinnern einer einzelnen Information, wird das gesamte Netzwerk wieder aktiviert und innerlich mit allen Sinnen «wiedererlebt». Riechen Sie etwa Chlor, so fühlen Sie sich wieder wie im überfordernden Schwimmkurs in der Schule. Hören Sie den Titelsong Ihres Lieblingsfilms aus Teenager-Tagen, spüren Sie augenblicklich Ihr schmachtendes 13-jähriges Ich.

Je häufiger nun eine bestimmte Kombination von verschiedenen Sinnesreizen gemeinsam auftritt, desto stärker wird die Vernetzung im Gehirn. Viele Studien zeigen: Körperhaltung und Gefühle beeinflussen sich. Wer traurig ist, lässt den Kopf hängen. Und umgekehrt? Wer den Kopf hängen lässt, wird tatsächlich auch trauriger. Denn über Rückmeldungen aus der Körperhaltung werden Gefühle aktiviert. 

 

Was Sie durch Körperarbeit verändern können

In der sogenannten Embodiment-Therapie wurden Methoden entwickelt, wie über die Fantasie und durch Körperarbeit etwas verändert werden kann.

Mal angenommen, Sie möchten für eine Aufgabe selbstsicherer sein. Schliessen Sie die Augen und lassen Sie ein Bild entstehen, das Sie mit dem Gefühl des Selbstvertrauens verbinden. Vielleicht eine Königin. Spüren Sie ihre Haltung, richten Sie sich auf und gehen Sie königlich durch die Wohnung. Mit etwas Übung verändern die Rückmeldungen aus Ihrem Körper Ihre Gefühle. Je öfter Sie diese Fantasie pflegen, desto stärker wird das Netzwerk. Es fällt Ihnen im Alltag eher auf, wenn Ihre Haltung eine königliche Aufrichtung benötigt. Diese Arbeit kann helfen, gewisse Hürden zu überwinden und ungünstige Muster zu verändern. Niemals aber soll es dazu dienen, perfekt zu werden oder unangenehme Gefühle auszumerzen.

Wenn Leopold am 7. Januar seine Krone zurückgibt, hat Leos Gehirn ein Netzwerk erweitert und verstärkt. Er hat dank Fantasie, Mut und lieben Familienmitgliedern positive Erfahrungen gemacht. Vielleicht fällt es ihm demnächst leichter, seine Wünsche einfach so zu platzieren.

 

  Eine Anleitung zur fantasievollen Verhaltensänderung

Maja Storch ist Psychoanalytikerin und Therapeutin und hat ein Programm entwickelt, wie mittels Verkörperung von Bildern aus der Fantasie Verhaltensänderungen erreicht werden können. Probieren Sie die «Embodiment»-Methode selbst aus – es ist gar nicht so kompliziert, wie es klingt:
  • Welches motivationale Ziel möchten Sie gerne erreichen?

  • Welche Eigenschaft brauchen Sie, um dieses Ziel erreichen zu können?

  • Schliessen Sie die Augen und lassen Sie Ihre Fantasie ein Bild von einem Tier oder einer Pflanze produzieren, welches diese Eigenschaft stark ausgeprägt hat.

  • Beobachten Sie das Tier oder die Pflanze. Welche Bewegungen sehen Sie? Welche Haltung? Hören Sie etwas? Gibt es einen bestimmten Geruch? Atmet es auf eine bestimmte Weise? (Das muss alles nicht logisch sein, ist ja Fantasie.) 

  • Versuchen Sie nun, im Bild in die Rolle des Auserwählten zu schlüpfen. Stellen Sie sich vor, wie sich Ihr Körper in dieser Rolle anfühlt, wie die Bewegungen sind, die Körperhaltung, welche Gefühle nehmen Sie wahr? Welche Gedanken tauchen auf?

  • Jetzt gilt es, diese Körperhaltung auszuprobieren. Bewegen Sie sich in der Rolle, gehen Sie ein paar Schritte. Beobachten Sie Ihre Körperempfindungen und Gefühle dabei. Benennen Sie Ihre Erfahrungen.

  • Benennen Sie Ihre Erfahrungen.

  • Wählen Sie in Ihrem Alltag zunächst einfache, dann zunehmend schwierigere Situationen aus, die Sie in der Realität angehen. Immer mit Ihrem inneren Bild vor Augen.