Eine Fachperson hält mehrere Packungen Medikamente in der Hand.

Nehme ich zu viele Medikamente ein? Die Tücken der Multimedikation

In unserer heutigen Gesellschaft steigt die Lebenserwartung. Mit der Lebenserwartung steigt aber auch der Anteil der Bevölkerung mit chronischen und Mehrfacherkrankungen. Zur dauerhaften Behandlung der Krankheiten müssen die betroffenen Personen in der Regel täglich mehrere Medikamente einnehmen. Dies stellt sowohl die Behandelnden als auch die Patientinnen und Patienten vor Herausforderungen.

Kerstin Gorges
4 Min. Lesedauer

   Kurz und einfach

Viele Menschen nehmen jeden Tag mehrere Medikamente.
Ab fünf Medikamenten steigt das Risiko für Probleme.
Manche Medikamente wirken zusammen anders .
Lassen Sie Ihren Medikamenten-Plan prüfen.

Multimedikation – Was ist das?

Von Multimedikation spricht man, wenn Menschen täglich fünf und mehr verschiedene Medikamente einnehmen. Diese Anzahl bezieht sich nicht nur auf die rezeptpflichtigen Medikamente, die der behandelnde Arzt oder die Ärztin verordnet hat, sondern auch auf die frei verkäuflichen rezeptfreien Medikamente, die der oder die Betroffene selbst in einer Apotheke oder Drogerie gekauft hat. Problematisch ist, dass mit der steigenden Anzahl der eingenommenen Medikamente auch mehr unerwünschte Wirkungen, wie Übelkeit, Verstopfung, Appetitlosigkeit, Stürze oder Blutungen auftreten.

Auch Wechselwirkungen zwischen den Medikamenten nehmen zu und können die Wirkung eines Medikamentes verringern, verstärken oder sogar aufheben. Als besonders kritisch gelten beispielsweise Psychopharmaka, Blutverdünner, Magensäureblocker, Vitaminpräparate, Antibiotika, Blutdruckmedikamente und nicht steroidale Antirheumatika (Schmerzmittel mit entzündungshemmender Wirkung wie zum Beispiel Ibuprofen).

 

Risiken von medikamentösen Dauerbehandlungen

Dass mit zunehmendem Lebensalter mehr Gesundheitsprobleme auftreten können, die einer dauerhaften medikamentösen Behandlung bedürfen, ist bekannt. Gerade wenn mehrere Medikamente gleichzeitig eingenommen werden müssen, ist es wichtig, zusammen mit seinem Arzt oder seiner Ärztin immer den Überblick über seinen Medikamentenplan zu behalten und ihn regelmässig auf Nutzen und Risken zu überprüfen.

Folgende Risiken gilt es zu beachten:

  • Aufgrund neuer Beschwerden oder Krankheiten werden zusätzliche Medikamente verordnet, die jedoch nicht abgesetzt werden, wenn es der Patientin oder dem Patienten wieder gut geht. Ein typisches Beispiel hierfür ist die Einnahme von Magensäureblockern.
  • Erfolglose Behandlungen werden nicht beendet.
  • Es sind verschiedene Ärzte oder Ärztinnen in die Behandlung involviert, die ebenfalls Medikamente verordnen, aber nicht wissen, was der Patient oder die Patientin bereits einnimmt.
  • Nebenwirkungen, die aufgrund der aktuellen Medikation auftreten, werden nicht als solche erkannt. Statt das auslösende Medikament zu identifizieren und abzusetzen oder die Dosis zu verringern, wird ein neues Medikament verordnet, dass die aufgetretenen Beschwerden verringern soll.
  • Die Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel, die die Betroffenen selbst gekauft haben, sind nicht auf dem Medikamentenplan aufgeführt.
  • Es sind Medikamente verordnet, die das Sturzrisiko nachweislich erhöhen, weil sie Schwindel auslösen können. Dies kann vor allem bei älteren Menschen, die nachts aufstehen müssen, um auf die Toilette zu gehen, ein grosses Risiko darstellen. 

Was können Sie selbst zu einer sicheren medikamentösen Behandlung beitragen?

  • Nehmen Sie zusätzlich selbstgekaufte Medikamente, beispielsweise Vitaminpräparate, pflanzliche Arzneimittel oder Schmerzmittel ein? Teilen Sie Ihrem Arzt mit, um welche Medikamente es sich dabei handelt und wie häufig Sie sie einnehmen. Stellen Sie sicher, dass diese Medikamente auch auf dem Medikamentenplan aufgeführt werden. 
  • Lassen Sie sich in Apotheke in jedem Fall beraten und zeigen Sie dort Ihren Medikamentenplan, wenn Sie rezeptfreie Medikamente oder komplementärmedizinische Arzneimittel ohne Arztanordnung kaufen.
  • Nehmen Sie Ihren Medikamentenplan auch zu Fachärzten mit, zu denen sie überwiesen werden und fragen Sie bei einer neuen Verordnung gezielt nach, wie sich das Medikament mit der bestehenden Medikation verträgt.
  • Bitten Sie Ihren Arzt oder Ihre Ärztin bei der Verordnung eines neuen Medikamentes zu überprüfen, ob es Medikamente auf Ihrem Medikamentenplan gibt, die man absetzen kann.
  • Die Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel, die die Betroffenen selbst gekauft haben, sind nicht auf dem Medikamentenplan aufgeführt.
  • Wenn Ihnen zur Behandlung einer Krankheit mehrere Medikamente verordnet werden, fragen Sie nach möglichen Kombinationspräparaten. Dies reduziert die Anzahl der einzunehmenden Medikamente und erleichtert im Alltag das Medikamentenmanagement.
  • Gerade nach einem Spitalaufenthalt ist es sehr wichtig, den Medikamentenplan genau zu überprüfen, z.B. ob neue Medikamente angeordnet wurden und ob diese dauerhaft angewendet werden sollen oder zu gegebener Zeit abgesetzt werden können.
  • Achten Sie auf mögliche Nebenwirkungen, wie beispielsweise Übelkeit oder Appetitlosigkeit, und wann sie auftreten und berichten Sie Ihrem Arzt  oder Ihrer Ärztin davon. Wichtig ist, dass die Nebenwirkung als Nebenwirkung erkannt wird und somit ggf. die Dosierung des verantwortlichen Medikamentes angepasst oder das Medikament ausgetauscht werden kann. Ansonsten besteht das Risiko, dass eine Nebenwirkung als neues Beschwerdebild interpretiert und nachfolgend ein zusätzliches Medikament verordnet wird.

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